Ein Bericht der Rudolf- Steiner- Schule Salzburg

Seit 2006 anerkannte UNESCO-Schule

 

Unser Beitrag im Dienste der Gesamtheit

 

Seit Mai 2003 wirkt die Salzburger Waldorfschule als „UNESCO- Anwärterschule“  im Netzwerk der UNESCO- Schulen mit. Die Rudolf-Steiner-Schule Salzburg ist eine öffentliche Privatschule in freier Trägerschaft, wird einzügig von der 1.bis 13. Klasse (mit Maturaabschluss) geführt und hat zur Zeit 350 SchülerInnen. Wir wollen das als Schule ernst nehmen, was der Begründer der Waldorfschulen, Rudolf Steiner, schon vor über 80 Jahren mit folgenden Worten ausgesprochen hat:

 

„Man hat in der Menschheitsentwicklung nicht das Recht, sich als

Individualität zu fühlen, wenn man sich nicht zu gleicher Zeit als

Angehöriger der ganzen Menschheit fühlt.“

 

Angehöriger der ganzen Menschheit heißt aber auch ein entsprechendes Verantwortungsgefühl und ein gesteigertes Umweltbewusstsein für die uns gegebene Erde zu haben und als Schule ständig weiter zu entwickeln.

 

Beitritt zum Klimabündnis

 

Das führte konsequent zu dem, was wir am 26.Mai 2004 vollzogen: wir traten als Schule dem Klimabündnis bei, weil wir unseren individuellen Beitrag geben wollen für die Ziele des Klimabündnisse, die wir für sehr unterstützungswürdig halten. So bemühen wir uns mit den SchülerInnen in den letzten Jahren verstärkt, vor Ort Wege zu einem klimaschonenden Handeln zu suchen, etwa auch durch ein Mitwirken an Aktionen des Autofreien Tages.

Diese Beitrittsveranstaltung wurde zu einem Festtag für die Schule. Wir begrüßten bei uns als Vertreter von Amazonien Edwin Campos aus Peru, Vorsitzender von Klimabündnis International, und Mendoza Hernandez aus Kolumbien; Koordinator der COICA, dem Dachverband der Indigenen Organisationen im Amazonas.

 

Schule für den Regenwald

 

In jedem Jahrgang gibt es einige SchülerInnen, denen es ein tiefes Anliegen ist, sich für den Regenwald einzusetzen. Da wird Regenwald „gekauft“ und damit vor dem Abholzen bewahrt, da wird gesammelt und gekocht, da werden  Referate in verschiedenen Unterrichten gehalten. Das Bewegende dabei ist - auch im ursprünglichen Sinn dieses Wortes - die Eigeninitiativkraft der SchülerInnen, die Bereitschaft nicht nur darüber zu sprechen, sondern auch zu handeln.

So war es Zeit, dass wir als Kollegium darauf reagierten. Lockere Verbindungen, die zu Greenpeace Österreich bereits da waren, wurden verstärkt und vertieft. Das führte dazu, dass im vergangenen Frühjahr die Rudolf-Steiner-Schule Salzburg als erste österreichische Schule als „Urwaldfreundliche Schule“ von Greenpeace ausgezeichnet wurde. In einem Festakt am 23. April 2004- mit anschließendem Benefizkonzert für Greenpeace Österreich-  berichtete Stefanie, Schülerin der 11. Schulstufe, über ihre Eindrücke von der großen Konferenz der Artenvielfalt in Kuala Lumpur, zu der sie als „Botschafterin Österreichs“ von Greenpeace eingeladen worden war.

 

Interkulturelle Beziehungen zu Russland....

 

Neben Englisch wird nach einer Idee unseres Schulgründers Rudolf Steiner Russisch als zweite lebende Fremdsprache unterrichtet. Englisch eröffnet uns den Blick in den Westen, durch Russisch verbinden wir uns mit den slawischen Kulturen des Ostens kennen, wobei im Zuge der EU-Osterweiterung diese Sprache auch in der Öffentlichkeit bei uns immer mehr an Bedeutung und Wichtigkeit gewinnt (Ein seit 1Jahr gegebener  Spanischkurs soll sprachbegabten SchülerInnen die Möglichkeit bieten, neben Englisch und Russisch eine dritte lebende Fremdsprache zu erlernen). Bereits dreimal freuten wir uns über professionell angelegte, abendfüllende Theateraufführungen der jeweiligen 10.Klasse- in russischer Sprache!

Im Sommer des vergangenen Jahres besuchte uns 3 Wochen lang eine Schulklasse aus Moskau, verbunden war ein Gegenbesuch mehrerer Schülergruppen unserer Oberstufe in Moskau und

St. Petersburg. Die oftmalige konkrete Zusammenarbeit mit der russischen Folkloregruppe „Poselje“  mit Workshops und Konzert zusammen mit unseren SchülerInnen ermöglicht ein musikalisch tänzerisches, sprachliches Eintauchen in die Besonderheiten dieser anderen Kultur. Als besonders förderlich für die interkulturellen Beziehungen stellte sich das 4 wochenlange Sozialpraktikum der

12. Klasse heraus, das jeder Schüler wahlweise in einer heilpädagogischen oder sozialtherapeutischen Einrichtung in England oder Russland zu absolvieren hat.

 

.....und zu Kolumbien

 

Durch persönliche Beziehungen pflegen wir seit Jahren Kontakte zu kolumbianischen Einrichtungen. Die Isolda- Schule in Medellin nennen wir nicht unsere Paten- ,sondern unsere Partnerschule. Insgesamt 6 LehrerInnen unserer Schule waren schon in Medellin, um dort pädagogische Aufbauarbeit zu leisten und selber viele Erfahrungen für die eigene Tätigkeit mit nach Hause zu nehmen. Für das Straßenkinderprojekt „Extra Muros“ in Bogota wurden viele Initiativen in der Salzburger Schule gesetzt. Zusammen mit verdienten Eltern war die jetzige 11.Klasse in den vergangenen Jahren da besonders aktiv, etwa bei dem Kleiderverkauf in der „Besonderen Ecke“ oder bei einem großangelegten, außergewöhnlichen Kolumbienfest im vergangenen November.

 

Menschenrechte und Toleranz

 

Schon ein paar Jahre waren einige SchülerInnen, angeregt durch den Ethikunterricht, für die Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ aktiv gewesen. Am Tag der offenen Tür im Februar 2004 erfreuten wir uns dann eines besonderen Gastes: Die eben ausgezeichnete Salzburgerin des Jahres 2003, Frau Almaz Böhm, besuchte uns in einem dafür eingerichteten Oberstufenforum. Eindrucksvoll erzählte Frau Böhm, wie sie und ihr Gatte Karlheinz Böhm aus Wut über die Ungerechtigkeit zwischen arm und reich in Äthiopien aktiv geworden sind und mit der Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ in die Welt begonnen hatten. Was uns hier übrigens besonders freut, ist die Tatsache, dass einzelne SchülerInnen sich vorgenommen haben, ihre ganze Schulzeit jährlich etwas für „Menschen für Menschen“ zu tun, also damit eine Qualität einbringen, die deutlich anders ist als ein einmaliges, spontanes Helfen für eine Not in der Welt.

 

Als zweites Beispiel soll hier die Arbeit mit Frau Dr. Elisabeth Cencig in der 9.Klasse erwähnt werden. Dr. Cencig ist Vorsitzende des Vereins FGM zur Bekämpfung weiblicher Genitalverstümmelung. 3 Schülerinnen hielten Referate zum Thema „Beschneidung und Genitalverstümmelung“. Danach sprach Frau Cencig von ihren Begegnungen mit den betroffenen Mädchen in Somaliland. Betroffenheit, aber auch Zuversicht entstand bei den Salzburger SchülerInnen, weil sie eben einen Menschen kennen lernen durften, der sinnvoll und erfolgreich auf diesem  Feld handelt.

 

Abschließend soll noch das erwähnt werden, was uns bei den verschiedenen Aktionen und sinnvollen Aktivitäten dann doch am wichtigsten ist, ja, was hinter allen Aktivitäten steht: Wir wollen in den Kindern und Jugendlichen eine Gesinnung anlegen, die dazu führt, später als Erwachsene mit mehr Liebeskräfte für die Erde und die Mitmenschen, mit mehr Verantwortungsgefühl für die Umwelt tätig zu sein als es unserer Generation heute möglich ist.

                                                                                                                  Michael Walter 

 

Kontakt:

Rudolf Steiner Schule Salzburg

Waldorfstrasse 11

5023 Salzburg

michaelwalter02@gmx.at

www.waldorf-salzburg.info